Radsport

Prodinger/Schwendinger finishen Transalp Rennrad

Vom 23. – 29. Juni 2013 wurde die Tour Transalp 2013, eines der schwersten Radrennen für Hobby-Rennradfahrer über 830km und 18.000 Höhenmeter, ausgetragen.



rund 700 Teams (1400 Fahrer) warten auf den Start zur Transalp 2013

Im Sommer 2012 fassten Hanspeter Schwendinger und Thomas Prodinger den Entschluss, an diesem extrem anspruchsvollen Etappenrennen für Hobby-Rennradfahrer teilzunehmen. Das geplante Rennen führte dabei in 7 Tages-Etappen von Sonthofen nach Arco am Gardasee. Der Streckenplan hatte beeindruckende 830 km und 18.000HM zu Buche stehen!



Insgesamt standen den Teilnehmern auf ihrem Weg an den Gardasee also 19 Alpenpässe im Wege, darunter so klingende Namen wie Flexenpass, Hahntennjoch, Passo Mortirolo, Passo Tonale und nicht zuletzt noch das “Dach der Tour”, das Stilfserjoch (2780m). Zusätzliche Herausforderung für die Teilnehmer waren die widrigen Witterungsbedingungen im Juni, die mehrfach für Schneefall und Frost sorgten und das Rennradfahren nicht gerade leichter machten.


Nach 30 beschwerlichen Stunden glücklich in Arco/Gardasee angekommen: Thomas und Hanspeter

Fazit von Thomas und Hanspeter nach dem erfolgreichen Finish am Gardasee: “Bei der Zieldurchfahrt in Arco mit einer reinen Fahrzeit von 30:22 Stunden (38. Rang Grandmaster / 260. Overall) wurde uns erst so richtig bewusst, wieso man sich so ein Rennen antut. Nach all den Qualen bleibt das Bewusstsein, etwas Besonderes geschafft zu haben.”


Der Schmerz vergeht, der Stolz bleibt – ein abgedroschener aber wahrer Spruch

Homepage Tour Transalp 2013
Bericht von der Craft Bike Tans Germany 2010



Nachstehend ein ausführlicher Bericht zur Tour Transalp 2013 von Thomas Prodinger:

Die Startplätze zur Tour Transalp sind heiß begehrt und die Teilnehmer kommen sogar extra aus Übersee zu diesem Rennen. Anfang Dezember 2012 konnten wir bei der Verlosung jedoch einen der 650 Startplätze (jeweils Zweier-Teams, unterteilt in Männer, Damen und Mixed sowie Altersklassen) ergattern. Aufgrund unseres fortgeschrittenen Alters starteten wir in der Grandmaster-Klasse. Mit einigen zusätzlich eingeladenen Teams, darunter auch ehemalige Profi-Radrennfahrer waren somit ca 700 Teams gemeldet. Nun hieß es, bis zum Start am 23.06.2013 die notwendigen körperlichen Voraussetzungen für die Bewältigung des Rennens zu schaffen.


Frostige Bedingungen beim Start zur 5. Eappe von Livignio nach Aprica

Leider spielte das Wetter im heurigen Frühjahr überhaupt nicht mit und so war es gar nicht so einfach, die notwendigen Kilometer und vor allem auch Höhenmeter auf dem Rad zu erfahren. Allerdings erwies sich das Wetter im Nachhinein gesehen sogar als Vorteil, da auch das Rennen unter teilweise widrigsten Bedingungen stattfand. Am 23.07.2013 standen wir dann um 10.00 Uhr mit weiteren 1.398 Radsportverrückten am Start in Sonthofen.



Die 1. Etappe führte über Oberstaufen in den Bregenzerwald auf den Hochtannberg und über den Arlbergpass nach St Anton (125km/2.280hm) und bot mit gelegentlichem Regen schon einen kleinen Vorgeschmack auf die kommenden Tage. Leider kam es auf der Abfahrt nach St. Anton zum tödlichen Unfall eines Teilnehmers, der vermutlich aufgrund einer Reifenpanne zu Sturz gekommen war.


Heimvorteil auf der 1. Etappe der Transalp 2013 – auf dem Weg Richtung Hochtannberg und Flexen

Nachdem die 2. Etappe von St Anton über den Arlbergpass und zurück über die Bielerhöhe nach Imst aufgrund von Straßen-Sicherungsarbeiten auf der Mautstraße nicht möglich war, sollte die Etappe über den Arlbergpass nach Warth und über das Lechtal und das Hahntennjoch nach Imst führen. Da es aber schon am Vorabend auf den Bergen zu schneien begonnen hatte und in Anbetracht des Unfalles wurde diese Etappe neutralisiert und ohne Wertung im Konvoi bei starkem Regen von St Anton direkt nach Imst durchgeführt.



Die 3. Etappe führte von Imst über die Pillerhöhe ins Engadin nach Zernez (110km/2.480hm) und bot eine Abwechslung von Regen auf der ersten Hälfte und dann Sonnenschein bis ins Ziel. Da die Etappe nur einen richtigen Pass und diesen gleich zu Beginn aufwies, wurde sie wohl von einigen unterschätzt, denn der stetige Anstieg ins Engadin hatte es in sich und zudem sorgte die anfangs notwendige wärmere Bekleidung durch immer mehr Sonnenschein zusätzlich für Erhitzung.


Orstdurchfahrt in Guarda auf dem Weg ins Engadin

Auf der 4. Etappe wartete auf der Strecke von Zernez über Ofenpass, Stilfserjoch, Passo Foscagno und Passo d’Eira nach Livignio ein wahrer Höllenritt mit beeindruckenden 3.994HM auf 137km auf uns. Auch auf dieser Etappe zog das Wetter mit Sonnenschein, Regen und sogar Graupelschauer auf dem Stilfserjoch (2.780m), wo wir uns zwischen Schifahrern den Weg suchen mussten, alle Register.


Das furchteinflößende Profil der 4. Etappe mit dem Dach der Tour auf 2780m


Die unzähligen Serpentinen hoch zum Stilfserjoch auf 2780m!

Belohnt wurden wir dafür aber mit fast endlosen Abfahrten, die uns jedoch aufgrund der tiefen Temperaturen auch einiges abverlangten.



Die 5. Etappe führte von Livignio über Bormio ins Veltlin und weiter auf den auch unter Radprofis (Giro) gefürchteten Passo Mortirolo mit Steigungen bis zu 16% nach Aprica (116km/2.280hm). Hier zeigte sich, wer am Vortag sein Pulver verschossen hatte. Hanspeter offensichtlich nicht, denn er spielte in den steilen Serpentinen seine ganze Routine aus und legte ein Wahnsinnstempo vor.


Thomas im Anstieg aufs Stilfserjoch

Auf der 6. Etappe von Aprica nach Kaltern (144km/2.890hm) kam es dann wettertechnisch gesehen zur ultimativen Herausforderung dieser Woche. Das Rennen startete bei trockenem relativ gutem Wetter und es war nur etwas Regen zwischendurch angesagt, weshalb das richtige Regenzeug daheim blieb.


Am Passo Tonale fing es jedoch schon vor der Passhöhe zu regnen an und die Temperatur sank rapide. Bei der folgenden Abfahrt über fast 40km regnete es dann teilweise sehr stark und die Sicht betrug aufgrund von Nebel nur noch wenige Meter. Zeitweise hatte es nur noch 3° Celsius, die durch den Fahrtwind noch zusätzlich verschärft wurden. Nicht wenige Teilnehmer wurden gesichtet, wie sie sich bei Geschäften entlang der Strecke mit warmer und trockener Bekleidung eindeckten.



Auf der 7. und letzten Etappe von Kaltern nach Arco (103km/1.625hm) hatte der Wettergott endlich ein Einsehen und bot uns Rennradwetter vom Feinsten. Zudem führte die Strecke die ersten 35km nur über flaches bis leicht abschüssiges Terrain, weshalb das gesamte Teilnehmerfeld in einen wahren Temporausch verfiel und bis zum ersten richtigen Anstieg ein Schnitt von 42km/h zu Buche stand.



Nachdem schließlich die allerletzte Erhöhung erklommen wurde und uns bewusst wurde, dass es nun nur noch ca 25km abwärts ins Ziel gehen würde, kamen wohl bei jedem Teilnehmer erste Glücksgefühle hoch. Bei der Zieldurchfahrt in Arco mit einer reinen Fahrzeit von 30:22 Stunden (38. Rang Grandmaster / 260. Overall) wurde uns dann erst so richtig bewusst, wieso man sich so ein Rennen antut. Nach all den Qualen bleiben die Erinnerungen an traumhafte Rennradstrecken durch herrliche Landschaften und das Bewusstsein, etwas Besonderes geschafft zu haben. (Thomas Prodinger)