Radsport

T. Prodinger finisht Craft Bike Trans Germany 2010

Craft Bike Trans Germany 2010: In 4 Tagen mit dem Mountainbike von Garmisch Partenkirchen über 286 km und 7.212 hm nach Bregenz. Thomas Prodinger war dabei.









Die Craft Bike Trans Germany ist eines der größtern Mountainbike-Rennen in Europa, mit einem Starterfeld von über 1200 Bikern. 2010 war der Zielort erstmals Bregenz. Thomas Prodinger (PI Bregenz) bekam die Chance, im Team von Pro Cycle Bregenz einen von fünf gratis Startplätzen zu nutzen, und diese Chance ließ er sich nicht entgehen.

Doch kaum war die Entscheidung zur Teilnahme gefallen und die Vorbereitung in Angriff genommen, wurde Thomas von einem akuten Bandscheiben-Vorfall gestoppt Das Rennen stand zu diesem Zeitpunkt aus ärztlicher Sicht mehr als in Frage. Doch mit eisernem Willen und unter Ausnützung aller Behandlungsmethoden bekam Thomas das Problem soweit in den Griff, dass er gut 3000 Vorbereitungs-Kilometer abspulen konnte.

Am 1. Juni 2010 begann für Thomas dann, gemeinsam mit seinen vier Teamkollegen, das Abenteuer Trans Germany 2010 mit der Anreise zum Startort nach Garmisch-Partenkirchen.








Start zur Craft Bike Trans Germany 2010 in Garmisch-Partenkirchen

Am 2. Juni 2010, um 10:15 Uhr, fiel dann endlich der Startschuss und rund 1200 Biker “quälten” sich durch die engen Gassen in Garmisch. Der Himmel war Wolken verhangen, es nieselte und der Wetterbericht verhieß nichts Gutes…

Erlebnisbericht von Thomas Prodinger:








Die Strecke führte von Garmisch über Elmau und Leutasch nach Lermoos.

Die nächsten Stunden forderten dann von den Fahrern alles ab und führten wohl jeden an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit. Es regnete durchgehend und manchmal sehr heftig, es hatte meistens Gegenwind und die Temperaturen lagen nur knapp über Null. Dazu kam extrem tiefes Terrain durch den tagelangen Regen und die Höhenmeter taten ihr Übriges. Selbst die beste Regenkleidung nützte nichts und bei den langen Abfahrten froren wir bis auf die Knochen durch.








Start zur Craft Bike Trans Germany 2010 in Garmisch-Partenkirchen

Es war ein ständiges Auf und Ab der Gefühle und es war ein Kampf nicht nur gegen die Natur sondern auch gegen sich selbst. Nicht nur einmal kam der Punkt, wo man sich die Frage stellte, wieso man das macht und warum man nicht einfach absteigt. Aber der Wille zum Durchhalten war dann doch größer und so erreichten wir in respektablen Zeiten das Ziel. Die Letzten sollten an diesem Tag erst nach über 8 Stunden im Ziel eintreffen.








Start zur Craft Bike Trans Germany 2010 in Garmisch-Partenkirchen

Nach dem Zieleinlauf wartete jedoch noch eine große Hürde auf uns – die Bikes und die Kleidung mussten von einer zentimeterdicken Dreckschicht befreit werden. Bewerkstelligt wurde dies mittels äußerst frischem Bergwasser aus Feuerwehrschläuchen. Krönender Abschluss war dann die Endreinigung von uns selbst beim Duschen am Fußball-Platz – einzig das Warmwasser war bereits alle! Der Abend verlief dann ziemlich ruhig und alle waren froh, ins Bett zu kommen.









Die Strecke führte von Lermoos über Berwang, Weissenbach, über den Gaichtpass ins Tannheimertal und über Lohmoos nach Pfronten.

Die Nacht über prasselte der Regen laut und unaufhaltsam auf den Wohnwagen und jedem von uns graute schon vor dem nächsten Renntag. Am Morgen hatte der Regen jedoch ein wenig nachgelassen und wir waren wieder guter Dinge. Auch an diesem Tag bot die Strecke wieder alles, was das Bikerherz höher schlagen lässt:








Thomas auf einem besonders imposanten Streckenabschnitt

Traumhafte Landschaften, tolle Wege, atemberaubende Single-Trails, knackige Anstiege und rasante Abfahrten. Leider wurden diese Abfahrten manchem zum Verhängnis, so auch unserem jüngsten Teammitglied. Es blieb aber bei leichten Blessuren und er konnte weiterfahren. Davon abgesehen kamen wir wieder gut ins Ziel in Pfronten und klassierten uns im vorderen Mittelfeld.








Thomas finisht in Pfronten; dort wartete dann noch einiges an Service-Arbeit auf die Biker

Am Abend war dann noch Bike-Service angesagt – trotz bestem Material gab es das eine oder andere technische Problem wie festgefahrene Schaltzüge oder eine defekte Federgabel. Insbesondere die Schaltzüge verschärften das ohnehin schwere Rennen durch unpräzise bzw. selbständige Gangwechsel. Der Abend verlief dann wiederum ziemlich ruhig und alle hofften auf trockenes Wetter für den dritten Renntag, da ja auch trockene Rennbekleidung zur Mangelware wurde.








Die Strecke führte von Pfronten über die Sorgalpe, die Schnitzlertal Alpe zur Dreiangelhütte, weiter über Tiefenbach, die Strausbergalpe ins Ziel nach Sonthofen.

Am dritten Renntag hatte der Regengott tatsächlich ein Einsehen und es waren schon beim Start blaue Flecken am Himmel zu sehen. Endlich schien es einen trocken Tag zu geben. Leider hatten wir uns zu früh gefreut – wir wurden wieder nass! Diesmal jedoch nicht von oben – denn gleich nach dem Start gab es in vollem Tempo eine Wasserdurchfahrt mit gut 30cm Wasserhöhe.








Thomas auf einem besonders imposanten Streckenabschnitt

Die 3. Etappe hatte zwar gleich viele Höhenmeter wie am Vortag, aber da sie um gut 20 km kürzer war, umso steilere Anstiege. Und durch den tagelangen Regen war der Untergrund immer noch sehr tief und somit schwer zu fahren. Das schöne Wetter verleitete einige Teilnehmer bei den Abfahrten an und auch über ihre Grenzen zu gehen und so musste leider auch der Hubschrauber ausrücken.








Das Wetter besserte sich nur langsam, aber schließlich setzte sich die Sonne durch.

Unsere Truppe kam diesmal völlig sturzfrei ins Ziel und jeder von uns konnte sein bisheriges Tempo halten. Allerdings sah man uns die Strapazen schon deutlich an – wir waren alle bedeutend ‚schmäler’ geworden. Der Kalorienverbrauch war extrem – am ersten Tag hatte ich laut Pulsuhr einen errechneten Verbrauch von knapp 5000 kcal, der an den Folgetagen sicher nicht viel geringer war.
 






Die Strecke führte von Sonthofen über Ofterschwang, den Riedbergpass, Balderschwang, Hittisau, Lingenau, Bozenau, Buch und Kennelbach zum Zieleinlauf auf dem Symphoniker-Platz vor dem Festspielhaus in Bregenz.

Der letzte Renntag bescherte uns dann endlich Bilderbuch-Wetter. Zwischen Start und Ziel lag als einzige wirkliche Hürde nur noch der Riedbergpass. Dort erlebten wir dann aber das andere Wetter-Extrem – es hatte fast 30° Grad, was die Auffahrt nicht einfacher machte. Das Ziel vor den Augen wurde dann ein letztes Mal so richtig gebolzt.








“Teamchef” Christian Pauger bolzt entlang der Bregenzer Ache Richtung Bozenau.

In einem Höllentempo ging’s an der Bregenzer Ache und dem Bodenseeufer entlang ins Ziel beim Festspielhaus. Im Ziel waren die Strapazen der vergangenen Tage aber sofort vergessen und die Glücksgefühle überwogen bei weitem – die Zeit war irgendwie sekundär. Schon zu diesem Zeitpunkt wusste ich, dass dies sicher nicht das letzte Rennen dieser Art für mich war. Das Rennen endete mit einem tollen Abend im Festspielhaus, bei dem wir die begehrten Finisher-Trikots erhielten.









Thomas beim endgültigen Zieleinlauf in Bregenz, gemeinsam mit Teamkollege Dietmar Steinhauser




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