Schon beim Aussteigen am Flughafen von Kailua Kona auf Hawaii schlug Matthias Buxhofer die tropische Hitze entgegen. Schnell war klar, dass hier kein Spaziergang auf ihn warten würde.
Nach über 19 Stunden Flugzeit mit Zwischenstopps in London und LA, kam Matthias Buxhofer in Kailua Kona auf Big Island an. Die Mission Ironman-WM 2009 konnte beginnen. Sieben Tage hatte Matthias Zeit, sich an das Klima und an die 12h Zeitumstellung zu gewöhnen. Jeden Morgen ging es mit rund 500 anderen Athleten – unter anderem auch mit Freund und Clubkollege Klaus Marquardt, der sich ebenfalls qualifiziert hatte – an den kleinen Strand von Kailua Kona, von wo aus das Schwimmtraining im offenen Meer gestartet wurde.
Da Vorarlberg bekannter Weise an kein Meer grenzt, nahm Matthias jede Möglichkeit wahr um Erfahrungen mit dem für ihn neuen, salzigen Element “Meer” zu sammeln. In den Tagen vor dem Wettkampf inspizierte er auch die 180 km lange Radstrecke sowie die 42km lange Laufstrecke – in kleinen Teilen, versteht sich. Dabei überraschte ihn neben dem hügligen Terrain auf der Radstrecke speziell die 10%ige Steigung der Palani Road, bei km 12 des abschließenden Marathons.
Am Freitag vor dem Wettkampf stand der CheckIn von Rad und Bekleidung in der Wechselzone an. Rund 4000 freiwillige Helfer sorgten dafür, dass der CheckIn der ca 1800 Teilnehmer wie am Schnürchen lief.
Die Spannung unter den Teilnehmern nahm nun von Stunde zu Stunde stetig zu. Auch Matthias war schon ziemlich nervös. Die Nudelparty war dann auch von kurzer Dauer, denn schließlich hieß es für die Athleten am nächsten Tag um 04.00 Uhr aus den Federn. Am Wettkampfmorgen ging es um 05.30 Uhr nach einem kleinen Imbiss in Richtung Start. Ein letzter Material-Check. Alles startklar!
Nach 9:23 h finishte Matthias bei seinem Hawaii-Debüt und war überwältigt von der Athmosphäre im Ziel und von der Begrüßung durch den Zielsprecher, der “You are an Ironman!” ins Mikrofon schrie! Matthias landete auf Rang 77 der Gesamtwertung. In seiner AK erreichte er bei der Ironman-WM den 10. Platz, war der schnellste Vorarlberger und 4. von 48 gestarteten Österreichern.
Ab hier der Wettkampfbericht von Matthias Buxhofer:
Punkt 07.00 Uhr fiel der Startschuss für das 3,8 km lange Schwimmen. Die “Waschmaschine” (so nennt man bezeichnenderweise den Massenstart beim Ironman) war nun voll in Betrieb. Es schäumte,… Am Start war eine unglaubliche Hektik unter den Teilnehmern. Nach wenigen Metern sah ich zufällig auf mein linkes Handgelenk und konnte erkennen, wie sich meine Pulsuhr langsam davon entfernte,… einer der anderen Schwimmer hatte mir diese im Wettkampffieber vom Handgelenk gerissen.

Die Bezeichnung Waschmaschine für den Schwimmstart erklärt sich angesichts solcher Bilder von selbst…
Schnell fasste ich sie und steckte sie in meinen Speedsuite. Das Tragen eines Neopren ist in Hawaii, aufgrund der Wassertemperatur von ca 28 Grad, ja verboten. Auf den nächsten Kilometern im Wasser bekam ich ordentlich “Prügel”. Das Feld lichtete sich nur langsam, denn die Leistungsdichte war unglaublich hoch. Nach 1 Stunde 7 Minuten konnte ich, als ca 800 Teilnehmer, dem Pazifik entsteigen. Meine schwächste Disziplin war nun beendet und der Ironman konnte richtig beginnen!!
Wechsel auf’s Rad mit Hindernissen:
Nachdem blitzschnell Wechsel spurtete ich zu meinem Rad. Leider riss mir beim Aufsetzen des Helmes der Kinnriemen an einer Seite, sodass der Helm etwas schräg hing, aber dennoch hielt. Auf den ersten Kilometern der Radstrecke fühlte ich mich sehr gut und konnte viele Teilnehmer ein- bzw. überholen. Am Wendepunkt in Hawi, hatte ich mich auf Platz 80 der 1800 Teilnehmer vorgekämpft. Bis zu diesem Zeitpunkt war vom gefürchteten und berüchtigten Wind nichts zu spüren. Kein Wunder, denn der blies bei der Jagd durch die Lavawüste in der ersten Hälfte immer von hinten.

Die Radfahrer wie an einer Perlenschnur aufgefädelt – Mindestabstand zum Vordermann: 7 Meter
Nach ca 120 km war dann “Schluss mit lustig”. Der Wind nahm stetig zu und kam nun sehr stark von vorn. Ich bekam erste Krämpfe an der Hinterseite beider Oberschenkel. Bei den Verpflegungszonen auf der Radstrecke gab es auch nicht das, was man eine wettkampfgerechte Ernährung nennen kann. Man hatte die Wahl zwischen Wasser, Cola und Gatorade. Die Amerikaner sind der Meinung, dass “Gatorade” ein isotonisches Getränk ist. Diese Meinung kann ich – wie viele meiner Mitstreiter – nicht teilen. Es handelt sich dabei bestenfalls um eine schlechtere Limo. Dies war wahrscheinlich auch einer der Auslöser für meine Krämpfe. Daraufhin nahm ich jede Menge Salz zu mir. Ca 40 km später ging es mir wieder besser.
Leider hatte ich in der Zwischenzeit eine 4-minütige Zeitstrafe wegen “Drafting (Windschatten fahren)” eingefahren. Als ich mich mit meinen Krämpfen kurz im Windschatten des Vordermanns ausruhen wollte, war der vorgeschriebene Abstand von 7 Metern wohl etwas zu klein.
Der Marathon als letzte Disziplin:
Nach ziemlich genau 6 Stunden konnte ich endlich mein Rad gegen die Laufschuhe eintauschen. Auf den ersten Kilometern des Marathons lief es extrem gut. Ich konnte sofort meinen eigenen Rhythmus finden. Wie schnell ich unterwegs war, konnte ich jedoch nicht wirklich einschätzen, denn meine Uhr hatte sich ja schon beim Schwimmen verabschiedet und lag nun in der Wechselzone. Ich kämpfte mich von Meile zu Meile. Am Härtesten war es sicher am Wendepunkt im Natural Energy Lab, nach ca. 26 Kilometern. Dort wurden Temperaturen bis zu 40 Grad gemessen.

Die enorme Hitze von bis zu 40° setzte den Teilnehmern auf der Laufstrecke zu.
Zum Glück gab es bei den Verpflegungsstellen ausreichend Eis, so konnte ich jeweils meine Kappe und meine Rückentaschen mit Eis anfüllen, was eine deutliche Kühlung brachte. Auf dem Rückweg in Richtung Ziel merkte ich dann, dass es richtig gut lief und ich konnte nochmals alles geben. Nach 9 Stunden 23 Minuten kam ich dann am Alii Drive ins Ziel. Es war ein unglaubliches Gefühl den härtesten Ironman der Welt bezwungen zu haben. Der Empfang für die Finisher war wirklich sensationell. Nach der endlosen Weite der Lavawüste, war es einfach nur toll, von den tausenden Zuschauern im Zielraum empfangen zu werden. Diese feierten jeden Teilnehmer als Sieger und der Zielsprecher schrie ins Mikrofon “You are an Ironman!”.
Bilanz von Matthias:
Hawaii ist für mich richtig gut gelaufen. Ich konnte meine ganzes Leistungsvermögen abrufen. Sicher ist man im hinterher immer reicher an Erfahrungen und könnte manche Dinge noch verbessern. Doch ich muss sagen, dass es für mich sehr gut gelaufen ist und zeitmäßig dieses Mal nicht mehr möglich war.
Als Urlaubsdestination kann ich den 50 US-Bundesstaat übrigens nur empfehlen. Die Landschaft ist wirklich unglaublich. Zwei Klimazonen innerhalb von 10 Kilometer, glasklares Wasser, Bilderbuchstrände und über 4000 Meter hohe Vulkane. Das Alles auf einer so kleinen Insel! Es ist wirklich eine Reise wert.
Aloha! Buxi
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