Beim 26. Vienna-City-Marathon 2009 hatte Markus Klocker ein ehrgeiziges Ziel: die 3-Stunden-Schallmauer sollte fallen! Hier sein Wettkampfbericht:
Kurzer Blick zurück
Knapp 4 Jahre und 11.400 km nach meinem ersten Trainingslauf stand ich nun am Sonntag zum zweiten Mal beim Vienna-City-Marathon am Start und träumte davon, beim Zieleinlauf auf dem Heldenplatz die 2 vorne stehen zu sehen. Die Vorbereitung war gut verlaufen, der letzte Halbmarathon-Test verlief ebenfalls vielversprechend, nur die leichte Grippe 10 Tage vor dem Start wäre nicht notwendig gewesen. Die Verunsicherung hielt sich aber zu meiner Überraschung trotzdem in Grenzen.
Der Start zum 26. Vienna-City-Marathon 2009
In meinem Startblock eingepfercht wie eine Ölsardine wartete ich schon ganz ungeduldig auf den befreienden Startschuss. Doch dann ertönte die österreichsiche Bundeshymne und ich wurde plötzlich nervös! Doch dann endlich – traditionell zu den Klängen des Donauwalzers – erfolgte der Start und die Massen setzten sich Richtung Reichsbrücke in Bewegung.
Die ersten 21,1 km – Halbmarathon
Ich wollte es wirklich wissen und legte die ersten 5 km in 20:39 min zurück – Pace 4:07 min/km – viel zu schnell. Von der Prater Hauptallee ging es nun in die Innenstadt und dem Ring entlang. Die Strecke stieg leicht an aber meine Pace stimmte. 21:23 min für die zweiten 5 km – perfekt bis dahin! Die nächste Station hieß Schloß Schönbrunn, zugleich 1. Wechselzone der Staffelläufer. Gewaltige Stimmung war angesagt, aber auch höchste Konzentration, denn die Staffelläufer kennen keine Rücksicht, wenn sie ihre Ablöse entdeckt haben…
Aber alles ging glatt, ich kam kollisionsfrei durch und näherte mich dem höchsten Punkt der Strecke: 21:21 min für km 10-15, weiter so! Jetzt hatte ich meinen Rhytmus gefunden. Ab km 18 dann endlich leichtes Gefälle. Ich näherte mich erstmals dem Heldenplatz (HM-Ziel) und sog die Stimmung so richtig in mich auf. Ich lag noch immer voll auf Kurs, die Halbmarathonzeit: 1:29:03 h – da wurde mir zum ersten mal mulmig in der Magengegend. Sollte es wirklich klappen?
Der zweite, der entscheidende Halbmarathon
Die schwierigsten Kilometer lagen natürlich noch vor mir und so konzentrierte ich mich wieder auf meinen Laufstil und versuchte rund und locker zu bleiben. Die Kilometerzeiten ließen mich jedoch weiter träumen. 4:01 | 4:08 | 4:07 | 4:09 | 4:08 macht 20:33 für die letzten fünf km. Ich hatte 1,5 min Reserve – für 17 km.
Bei km 27 dann kam ich mir aber plötzlich vor wie eine Schnecke – warum? Die Spitzenläufer kamen mir gerade entgegen und hatten nur noch 3 km bis ins Ziel. Wie gern wäre ich abgebogen und ihnen nachgelaufen. Die steigenden Temperaturen begannen langsam Wirkung zu zeigen. Oder doch nicht? 21:18 als 5km-Zeit ließen erst gar keine negativen Gedanken aufkommen. Ich lag nach wie vor voll auf Kurs.
Die nächsten 5 km verliefen wieder auf der Prater Hauptallee – zunächst kamen mir die schnelleren Läufer entgegen, dann die Wende beim Lusthaus – und ich konnte meinen Verfolgern entgegenlaufen. Der Schatten der Allee tat wohl und ich spulte km für km in konstantem Tempo ab. Kilometer 35 war erreicht, die letzten 5 km in 21:19 absolviert, mein Zeitpolster blieb bei 1,5 Minuten! Genau der richtige Ansporn für den Weg zurück Richtung Heldenplatz.
Die letzten fünf Kilometer
Von Meter zu Meter nahm nun die Stimmung zu: “Ja ich schaffs – da kann nichts mehr schiefgehen!”. Ich näherte mich zum zweiten Mal dem Ring und konnte jetzt meinerseits die Läufer im Gegenverkehr bei km 27 bemitleiden, während ich nur noch 3 km zu laufen hatte. Doch inzwischen war ich voll am Anschlag und kämpfte um meine Pace, von Schritt zu Schritt wurde ich langsamer und Panik machte sich plötzlich breit. Den letzten 5km-Abschnitt legte ich in 22:09 zurück. Mein Polster war plötzlich auf 40 Sekunden geschmolzen.
Das Finale – es wird noch einmal Eng
Die letzten beiden leicht ansteigenden Kilometer kamen mir vor wie ein schwerer Alpenpaß und setzten mir noch einmal so richtig zu. Doch der enge Zuschauerkorridor schaffte Alp d’Huez Feeling und die geile Stimmung ließ es gar nicht zu, langsamer zu werden. Der letzte Kilometer wollte kein Ende nehmen, ich wagte es kaum, noch einmal einen Kontrollblick auf die Uhr zu werfen. Km 42: 2:58:39 – 200 Meter vor dem Ziel – unglaublich. Beim Einbiegen auf den Heldenplatz wußte ich, mein Traum wird wahr. Kurz die Beckerfaust (zumindes angedeutet) und mit stolzgeschwellter Brust lief ich durch das Heldentor und überquerte überglücklich die Ziellinie, 2:59:29!! Was für eine geile Zeit!
Und dann der schönste Moment: Wenn die ganze Anspannung von dir abfällt, die Glückshormone verrückt spielen und du deinen Emotionen freien Lauf lassen kannst. Die Tränen schossen mir in die Augen und ich fühlte mich auf dem Heldenplatz genau richtig! Der Rest war nur noch Genießen, Jubeln und Feiern!
