Wintersport

Markus Schairer, Saison mit Höhen und Tiefen

Saisonrückblick: Boardercrosser Markus Schairer blickt auf eine Saison mit Höhen (Silber bei X-Games) und Tiefen (Kreuzbandriss) zurück und gibt uns (emotionale) Einblicke in das Leben eines Boardercrossers.



Snowboardcross: Ein harter Sport, Mann gegen MannVorbereitung:

Die nächste Saison fängt bei uns eigentlich schon an, wenn das letzte Rennen gefahren ist… Wir haben uns also den Sommer über super mit Mike Arnold, unserem Athletikcoach, im Olympiastützpunkt in Dornbirn vorbereitet.

Mitte August fing dann auch das erste Training auf Schnee an und am ersten September flogen wir nach Chile. Wie jedes Jahr machten wir auch heuer wieder ein 3-wöchiges Trainingslager – heuer in Pucon. Die Bedingungen waren ideal. Wir hatten mehr als genug Schnee, andere Nationen als Trainingspartner und bestes Wetter. Mit solchen Bedingungen fällt der Start in die Saison wesentlich leichter. Am Ende unseres Chili-Besuchs stand am



Markus SchairerSaisonstart in Chile:
Ende September stand der erste Weltcup in Valle Nevado am Programm. Mit einem 6. Platz beim ersten Rennen der Saison konnte ich voller Motivation nach Hause fliegen und der weiteren Vorbereitung folgen. Weitere Vorbereitung deshalb weil eine ziemlich lange Rennpause am Programm stand.

Aufgrund der Schneemangel hatten wir unseren nächsten Weltcup erst im neuen Jahr. Bis dahin mussten wir uns mit Europacups “zufrieden geben”. Bei diesen Rennen konnte ich allerdings meine Form bestätigen und fuhr ein paar Stockerlplätze ein. Am zweiten Jännerwochenende war dann wieder ein Weltcup in Bad Gastein, die Generalprobe vor dem heurigen Saisonhöhepunkt – den X-Games.

Und wie man so schön sagt: Wenn die Generalprobe schief geht klappt’s dann wenn es drauf ankommt. Zwar war meine Quali-Zeit in Gastein sehr gut (2. Platz), dafür schied ich dann im Finale schon in der ersten Runde aus. Es hat mich riesig geärgert, beim einzigen Heimweltcup gleich auszuscheiden. Der Ärger war aber gleich wieder verflogen, denn eine Woche später ging es ab zu den X-Games, ein in Europa leider nicht so bekannter Event.

Auch spektakuläre Sprünge gehören zum Boardercross dazu!Saisonhöhepunkt bei den X-Games:
Man könnte aber sagen, dass es hinter den Olympischen Spielen das wichtigste Rennen für Extremsportarten íst. Und den Titel extrem haben diese Spiele wahrlich verdient! Mit Schneemassen von denen man bei uns nur träumen kann haben sie in Aspen, Colorado auch heuer wieder einen Kurs aufgeschoben, dass es einem “die Sicherung raushaut”! 100 Sekunden Fahrzeit. Auf 3300 Höhenmeter. Viermal Fahren wenn man gewinnen möchte. Jeder Sportler kann sich nun vorstellen was das für eine Belastung ist…

Wir hatten uns nach 3-maliger Besichtigung den Kurs gut eingeprägt und nun warteten zwei Trainingstage um unsere Fahrt zu perfektionieren. Am 3. Tag stand die Quali auf dem Programm. Ich wusste schon im voraus, dass hier nichts schief gehen würde und als ich im Ziel ankam war ich 4 sec schneller als der Zweitschnellste! Unglaublich. Eine gute Qualifikation ist aber leider keine Garantie, dass man nun automatisch das Rennen gewinnt. Es spielen so viele Faktoren mit, die man nicht berechnen kann. Daher gilt grundsätzlich, dass im Finale alles möglich ist.

Anders als bei den üblichen Snowboardcross-Events (4 Starter pro Lauf) startet man bei den X-Games zu sechst. Es ist also richtig stressig, wenn neben einem fünf andere stehen, die alle in die nächste Runde aufsteigen wollen! Noch mehr Stress kommt auf, wenn man sieht, wer so neben einem steht. In meinem ersten Lauf waren das unter anderem gleich die drei Ersten der aktuellen Weltrangliste. Man musste taktisch klug fahren und einen guten Servicemann am Start haben, sonst hatte man keine Chance. Ich kam Runde für Runde meinem Ziel näher – einer Medaille bei den X-Games. Im letzten Lauf stand ich dann am Start und trotz der 20-minütigen Pause vom vorigen Lauf hatte ich immer noch einen Puls von 160.

Zieleinlauf bei den X-Games 2008, Nate Holland vor dem gestürzten Markus Schairer.Das große Finale:
Das Startkommando war gefallen, jetzt ging es um die “Wurst”. Ich zog mich mit aller Kraft ein letztes Mal aus dem Starthaus und führte in der ersten Kurve. Ich wurde dann aber von zwei Amerikanern überholt und ich versuchte mich gleich in den Windschatten zu hängen. Nach einer Weile hatte ich wieder genug Geschwindigkeit aufgebaut, um den momentan Zweitplatzierten zu überholen und langsam aber sicher fuhr ich dem Ersten auf. Man glaubt gar nicht wie langsam die Zeit vergeht, wenn man in der Hocke hinter einem anderen herfährt, und über was man alles nachdenken kann!! Die letzten 20 Fahrsekunden brachen an und meine Muskeln brannten wie Feuer. Ich war nur noch etwa eine Brettlänge hinter dem Führenden und hatte genug Geschwindigkeit um ihn über den Zielsprung zu überholen. Mit etwa 95km/h rasten wir nebeneinander darauf zu und da passierte mir der bislang einzige Fehler vom ganzen Wochenende.

Markus Schairer mit seiner Silbermedaille!Ich bekam die so genannte Unterluft und hatte keine Chance mit den Füßen als erstes zu landen. Das einzige was ich aber in der Luft noch gedacht habe war: Wenn ich wegen diesem Fehler noch Dritter werde, bin ich richtig sauer!! Nach ca 45 Metern schlug ich auf und schlitterte – mit einem Puls von 194 – ins Ziel. Der erste Blick ging natürlich zur Anzeigetafel und mein Name erschien als Zweiter. Ich war erst richtig froh dass mir nichts passiert war und dann kam die Freude über die Silbermedaille.

Lange Zeit den Erfolg zu feiern hatten wir nicht, es ging am selben Tag noch zurück zum nächsten Weltcup nach Leisyn (SUI). Erst dort schmerzten meine Rippen vom Sturz in Aspen so richtig und ich überlegte mir, ob ich überhaupt an den Start gehen sollte.

Freud und Leid liegt oft nah beieinander:

Und dann bestätigte sich das, was jeder weiß, aber nicht wahrhaben will… Wenn man nicht zu 100% fit ist, dann sollte man nicht starten. Der Ehrgeiz ließ das aber nicht zu und so kam nach meinem absoluten Hoch gleich der Sturz in die Tiefe – mit einem Wimpernschlag. Einmal einen Sprung schlecht gedrückt, unglücklich gelandet und schon machte mein Knie nicht mehr mit.

Am nächsten Tag ließ ich mich im Sanatorium Dr. Schenk in Schruns untersuchen und hoffte, es bleibt bei einem Bluterguss im Gelenk. Leider bestätigte sich der Verdacht nicht und ein Kreuzbandriss im Knie wurde diagnostiziert. Die Saison war für mich also vorbei, ich wurde ohne lange zu überlegen operiert…

Nun bin ich aber schon wieder gut auf den Beinen, die Therapie zeigt gute Fortschritte und ich werde das Training in Dornbirn sobald als möglich wieder anfangen.

Zeit für die Schule:

Eines will ich ja auch nicht vergessen!!: Jetzt hab ich wenigstens genug Zeit um in der Schule etwas weiter zu bringen! Für uns Sportler ist es enorm wichtig ein 2tes Standbein zu haben! Die Polizei ist der ideale Weg um Sport und Beruf unter einen Hut zu bringen, wer eine solche Chance bekommt kann sich wirklich glücklich schätzen!




»
Biografie von Markus Schairer auf der FIS-Homepage
» Snowboardcross (Wikipedia)
» X-Games (Wikipedia)


Danke an Markus Schairer für den interessanten Bericht und viel Erfolg auf dem Weg zurück an die Weltspitze.

Markus Klocker, PSV Vorarlberg